Virologie
Computerjagd auf das Aidsvirus
Resistenzen sind das gravierendste Problem bei so wandlungsfähigen Viren wie dem Aidserreger HIV. Wie kann man den Infizierten helfen? Die Antwort erfordert umfassende Informationen über Varianten von HIV – und Computerhilfe.
Derzeit sind über zwei Dutzend Medikamente gegen HIV auf dem Markt, und fast alle zielen darauf ab, eines der viruseigenen Proteine – das Zielprotein des jeweiligen Arzneistoffs – unschädlich zu machen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, das anvisierte Eiweißmolekül zu blockieren. Eine beliebte Methode ist, den Wirkstoff so zu konzipieren, dass er sich an die aktive Stelle am Zielprotein heftet – an diejenige, welche die eigentliche Arbeit verrichtet. Das ist etwa so, als würde man den Kopf einer Zange mit Knete verkleben.
Doch warum braucht man so viele verschiedene Wirkstoffe? Warum reicht nicht ein einzelner aus, der ein Protein ausschaltet und so den Lebenszyklus von HIV unterbricht? Der Grund ist, dass


Thomas Lengauer promovierte
1976 an der Freien Universität
Berlin in Mathematik sowie 1979 an
der Stanford University (US-Bundesstaat
Kalifornien) in Informatik. Von
1979 bis 1981 war er bei den Bell
Laboratories in Murray Hill (New
Jersey) beschäftigt. Er ist seit 2001
Direktor der Arbeitsgruppe "Computational
Biology and Applied
Algorithmics" des Max-Planck-Instituts
für Informatik in Saarbrücken.
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1. Gewagte Theorie
10.08.2009, Dr. Peter Kunz, WahlwiesIm auf Seite 65 vorgestellten Entscheidungsbaum sieht man, dass einzelne Aminosäuren gegen andere mit deutlich abweichenden chemischen Eigenschaften ausgetauscht werden. Das würde in den allermeisten Fällen bedeuten, dass das Enzym in seiner Funktion gestört oder im Extremfall völlig funktionslos wäre. Nicht so bei HIV: Die Protease bindet aufgrund einer Mutation den konkurrierenden Hemmstoff zwar nicht mehr, verarbeitet das normale Substrat aber weiterhin anstandslos. Anderenfalls würde die "Resistenz" gleich wieder aussterben, und eine Anpassung der Kombitherapie, mit oder ohne Computer-Entscheidungshilfe, wäre nicht erforderlich.