Die Forscher testeten die Idee zunächst in einer zwölf Meter langen Glasröhre mit einem Durchmesser von nur drei Zentimetern: Dort erzeugten sie einen turbulenten Wirbel, der sich mit der ansonsten laminaren Wasserströmung stromabwärts bewegt. Winzige Teilchen im Wasser, die ein Laser hell aufleuchten ließ, erlaubten es, die Bewegung des Wassers genau zu verfolgen. Dabei zeigte sich, dass die Geschwindigkeitsverteilungen in den turbulenten und laminaren Abschnitten der Strömung sehr verschieden sind: Während die laminare Strömung am Röhrenrand langsam und in der Mitte sehr schnell fließt, ist die turbulente Strömung auch am Rand vergleichsweise schnell unterwegs.
"Um den turbulenten Wirbel zu zerstören, ist vor allem sein hinterer Grenzbereich zur laminaren Strömung entscheidend", erklärt Hof. "Denn an dieser Stelle entstehen die Verwirbelungen, die die Turbulenz antreibt." In Computersimulationen veränderten die Forscher über einen kurzen Zeitraum an dieser Stelle die Geschwindigkeitsverteilung: In der Mitte des Glasrohrs bremsten sie die Strömung ab und beschleunigten sie am Rand, wobei die Durchflussrate konstant blieb. Auf diese Weise steht in der Mitte des Rohrs nicht mehr genug Energie zur Verfügung, um die Verwirbelungen effektiv "anzuschieben". Das Ergebnis: Die turbulente Störung zerfällt – und bleibt verschwunden.
Eine zeitliche Abfolge von Querschnitten im Rohr, wobei sich der Bildausschnitt mit der Strömung mitbewegt: Die zunächst turbulente Strömung (bunte Markierungen) wird nach und nach laminar.
Die Situation im Glasrohr ist somit vergleichbar mit einer Regatta, bei der an einer bestimmten Stelle – der Kontrollstelle – ständig neue Segelboote in das Rennen gehen. Schließlich liegen die Boote so dicht hintereinander, dass der jeweilige Hintermann dem Vordermann den Wind aus den Segeln nimmt und das Rennen komplett zu Stillstand kommt. Auf diese Weise bleibt die Strecke jenseits des Kontrollpunktes frei von Booten.
"Weil unser Verfahren nur an einer Stelle ansetzt, benötigt es wenig Energie", so Hof. Die Forscher setzen nur ein Fünftel der Energie ein, die sie insgesamt einsparen konnten. In früheren Experimenten hatten die Göttinger Forscher bereits gezeigt, dass bei moderaten Strömungsgeschwindigkeiten mit der Zeit jede Turbulenz auch ohne äußeres Zutun zerfällt. Allerdings kann das oft viele Jahre dauern. "Da im Prinzip nur der laminare Zustand stabil ist, genügt ein kleiner 'Schubs', um die Strömung gezielt zu entwirbeln", so Hof. In zukünftigen Experimenten wollen die Forscher ihre Methode nun auf ausgedehnte Turbulenzen erweitern. (mpg/jo)





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